Tagfalterbeobachtung im Erzgebirgskreis 2013


Wolfgang Dietrich: Beobachtung einiger Tagfalterarten im Mittelerzgebirge 2013

In diesem Kurzbericht teile ich einige Beobachtungen von Tagfaltern aus Annaberg-Buchholz und Umgebung aus dem Jahr 2013 mit. Wer hätte gedacht, dass nach dem nassen und kalten Frühjahr und Frühsommer in den Sommermonaten Arten wie der Mauerfuchs (Lasiommata megera), die Goldene Acht (Colias hyale), der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas) und der Gemeine Bläuling (Polyommatus icarus) so zahlreich fliegen, wie ich es hier in den letzten 10 Jahren noch nie beobachten konnte.

Im Mittleren Erzgebirge erfasste ich im Jahre 2013 insgesamt 48 Tagfalterarten. In meinem Transekt des Tagfaltermonitorings am Pöhlberg konnte ich von April bis September bei 20 Begehungen 32 Tagfalterarten nachweisen. Die meisten Beobachtungen betreffen die folgenden Arten: Schornsteinfeger (Aphantopus hyperantus 105), Großes Ochsenauge (Maniola jurtina 70), Kleines Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus 46), Grünader-Weißling (Pieris napi 43) und Mauerfuchs (Lasiommata megera 34). Dagegen beobachtete ich in diesem Transekt so scheinbar häufige Arten wie den Kleinen Fuchs (Aglais urticae 17) und das Tagpfauenauge (Inachis io 11) wesentlich seltener. In Klammern steht jeweils die Zahl der Beobachtungen im Transekt für das gesamte Jahr. Auf der Internetseite des Naturschutzzentrums Erzgebirge findet sich unter der Rubrik Naturschutzinformationen ein Bericht über meine Ergebnisse des Schmetterlingsmonitorings auf dem Pöhlberg der Jahre 2006 bis 2009.

Im Wohngebiet am Barbara-Uthmann-Ring traute ich meinen Augen nicht, als ein abgeflogenes Individuum eines Weißbindigen Mohrenfalters (Erebia ligea) an einem Wohnblock vorbei flog. Am Beobachtungstag, dem 16. August, wurde dieser Falter, der auch unter dem deutschen Namen Milchfleck bekannt ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den mäßigen Südwind aus seinem eigentlichen, weiter südlich in Richtung Kammregion liegenden Lebensraum vertriftet. Ich konnte im Wohngebiet und den unmittelbar angrenzenden Bereichen, wie z. B. dem Gebiet um die Stechteiche und dem Friedhofsgelände bisher 27 Arten beobachten. Der Weißbindige Mohrenfalter ist dieses Jahr neu hinzugekommen. Tagfalter sind im Wohngebiet meist auf Nektarsuche. Reproduktionshabitate konnte ich bisher nur vom Landkärtchen (Araschnia levana) und Großen Kohl-Weißling (Pieris brassica) auf dem Friedhofsgelände feststellen. Im Rahmen der Umgestaltung des Friedhofes sind diese Habitate inzwischen auch verschwunden. Leider finden Tagfalter wie andere Insekten im Wohngebiet, mit Ausnahme von Hochstaudenfluren der Randbereiche und Zierpflanzenbeständen, meist nur wenige Pflanzen zum Nektarsaugen vor. Sobald auf den Rasenflächen Pflanzen wie die des Gemeinen Löwenzahns (Taraxacum officinale), Herbst-Löwenzahns (Leontodon autumnalis), Scharfen Hahnenfußes (Ranunculus acris), der Vogel-Wicke (Vicia cracca) und Zaun-Wicke (Vicia sepium) blühen, werden sie rigoros abgemäht und beim Einsatz der lebensfeindlichen Motorsensen samt der Tierwelt regelrecht zerstückelt. Das sich jährlich in viel zu kurzen Zeitabschnitten wiederholende Drama wird außerdem von enormer Lärm- und Abgasbelastung für Tier und Mensch begleitet. Kein Wunder, dass in vielen Siedlungsbereichen selbst an sonnigen Tagen nur noch wenige Tagfalter fliegen. Meine Hoffnung, dass diesem ökologischen Wahnsinn ein Ende gesetzt wird, ist allerdings sehr gering. Das kleine bisschen Natur muss selbst hier immer mehr wirtschaftlichen Interessen weichen.

Im August flogen Wander-Gelblinge (Colias crocea) bis in unsere Region. So sah ich am 16. und 22. August in einem Rotklee-Bestand am Ortsausgang von Frohnau in Richtung Dörfel je zwei männliche Falter, am 22. August zusammen mit der Mitarbeiterin des Naturparkes „Erzgebirge/Vogtland“ Frau Kristin Eberhardt. Am Südhang des Pöhlberges entdeckte ich am 17. August zwei männliche und einen weiblichen Wander-Gelbling. In einem recht kurzen Zeitraum flogen im Sommer zahlreiche Distelfalter (Vanessa cardui). Am 05. Juni beobachtete ich am Pöhlberg in den Nachmittagstunden zwei einzelne Distelfalter zügig westwärst wandernd und reichlich eine Woche später am 13. Juni ebenda bereits stationäre Falter in einem blühenden Rapsfeld beim Nektarsaugen. Die meisten Individuen, mindestens 30, registrierte ich am 16. August in dem bereits erwähnten Rotklee-Bestand bei Frohnau, sie saugten Nektar. Meine letzte Beobachtung eines Distelfalters erfolgte am 22. August bei Frohnau. Während zumindest einzelne Exemplare des Admirals (Vanessa atalanta) selbst hier im Erzgebirge überwintern, wurde dies beim Distelfalter in ganz Deutschland wohl noch nicht beobachtet. Jens Nixdorf entdeckte am 14. April in Scharfenstein und Falk Gärtner (Mildenau) am 24. April bei Fichtenbach je einen unbeschädigten Admiral. Am 14.9. konnte ich mehrere einzelne Admirale süd- bis südostwärts fliegend am Pöhlberg beobachten und am 22.10. den letzten Admiral am Pöhlberg im Gelände des Tierparkes. Dieser Falter wird vermutlich auch versuchen zu überwintern. Wander-Gelbling, Admiral und Distelfalter gehören zu den Wanderfaltern. Sie wandern in jährlich schwankender Zahl aus wärmeren Regionen Europas und Nordafrikas nordwärts und Falter der neuen Generationen im Sommer/Herbst wieder südwärts. So gelangten im Jahre 2012 einige Wander-Gelblinge bis nach Südschweden. Zumindest ein Teil der Admirale, die in unserer Region schlüpfen, wandern nach neueren Erkenntnissen in ihre Heimat nach Südwestdeutschland und Ostfrankreich zurück.

Westlich von Satzung, nahe dem Naturschutzgebiet „Schwarze Heide-Kriegswiese“ verfolgte ich mit Falk Gärtner zwei Schwalbenschwänze (Papilio machaon) bei der Eiablage an Bärwurz (Meum athamanticum). Die Falter suchten im Tiefflug nach geeigneten Pflanzen, landeten, krümmten den Hinterleib zu einem der feinen Blattzipfel der Bärwurzpflanzen und hefteten je ein Ei daran fest. Das Anfliegen und die Eiablage dauerten nur wenige Sekunden.

Im Herbst entdeckte ich bei Annaberg-Buchholz unterhalb der Riesenburg zum ersten Mal eine Raupe des C-Falters (Polygonia c-album). Sie fraß an einem Blatt der Großen Brennnesssel (Urtica dioica) am Rande eines Feldgehölzes. Am gleichen Tag sah ich dort auch einen C-Falter fliegen. Da die Brennnessel auch für andere Tagfalter wie z. B. dem Kleinen Fuchs, Admiral und Landkärtchen Futterpflanze für die Raupen ist, sollten möglichst viele Bestände von der Mahd verschont werden. Aus der Vielzahl weiterer Beobachtungen sollen die folgenden zwei nicht unerwähnt bleiben. Am 25. Juli flog ein Kleiner Schillerfalter (Apatura ilia) vor dem Schilf-Klärbecken am Naturschutzzentrum mehrfach von Schwarz-Erlen auf die asphaltierte Straße. Im Schindelbachtal bei Oberwiesenthal gelang mir zusammen mit Frau Kristin Eberhardt am 14. August der Nachweis von zwei frischen, unbeschädigten Individuen des Dunkelbraunen Bläulings (Polyommatus agestis). Da ich bereits im Juni 2008 in diesem Tälchen drei frische Falter dieser Art beobachtete, kann davon ausgegangen werden, dass sie dort bodenständig ist. Das nächste Jahr wird mit Sicherheit wieder spannend, und ich freue mich schon heute darauf den Lesern der Info-Brief des Naturschutzzentrums Erzgebirge einige dieser Neuigkeiten mitzuteilen.


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