Bekassine

„Himmelsziege“ Bekassine ist Vogel des Jahres 2013

Nein, eine Ziege ist sie nicht, die Bekassine, vielmehr ein Schnepfenvogel, der zum Vogel des Jahres 2013 gekürt wurde. Sie ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswerter Vogel. Eigentlich ein Meister der Tarnung wird die drosselgroße Bekassine (Gallinago gallinago) im Frühjahr akustisch „auffällig“. In der Dämmerung vollführen die Männchen akrobatische Balzflüge. Sie steigen im Zickzackflug bis zu 50 Metern nach oben in die Lüfte (sie „himmeln“ ihre Auserwählte an!), kippen dann jäh zur Seite und stürzen schräg nach unten. Dabei werden die äußeren Schwanzfedern wie ein Fächer gespreizt und der Luftstrom lässt ein meckerndes Geräusch ertönen (deshalb „Himmelsziege“!). Es handelt sich hier also nicht um einen Balzgesang, sondern um eine Instrumentendarbietung.

Von den ca. 25 cm Körperlänge entfallen ca. 7 cm auf den typischen Schnepfenschnabel - ein raffiniertes Präzisionswerkzeug zum Stochern im schlammigen Boden nach Nahrung. Kleintiere werden im Pinzettengriff aufgenommen und geschluckt ohne den Schnabel aus dem Boden zu ziehen.

Eigentlich verwunderlich, dass die Wahl zum Vogel des Jahres die bundesweit vom Aussterben bedrohte Bekassine erst jetzt ereilt. Zum „Meckern“ hat sie Grund genug. Als Art der Moore und strukturierten Feuchtwiesen hat sie in unserer Landschaft kaum noch eine Chance, ihre Jungen aufzuziehen. Dramatisch gesunkene Brutnachweise sprechen für sich. Feuchtwiesen werden oft durch Entwässerung trockengelegt. Düngung führt zum starken Aufwuchs, der frühzeitig gemäht wird. Als Bodenbrüter wird die Bekassine dadurch Opfer der intensiven Bewirtschaftung.

Mit der Bekassine soll nicht nur auf den Erhalt wertvoller Feuchtgrünländer hingewiesen, sondern auch auf einen dringend notwendigen Moorschutz aufmerksam gemacht werden. Moore, in Deutschland auf kleine Restflächen beschränkt, sind neben ihrer Funktion als Lebensraum für eine Vielzahl weiterer gefährdeter Arten auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, da hier Kohlenstoff gebunden wird. Bei Entwässerung von Mooren werden dann klimawirksame Gase freigesetzt.

In den nächsten Jahren müssen also dringend Maßnahmen zum Schutz oder zur Renaturierung von Feuchtwiesen und Mooren ergriffen werden. Diese kommen nicht nur der Bekassine und anderen Moor- und Feuchtwiesenarten zugute, sondern leisten auch einen Beitrag zum Klimaschutz.

Aus dem Erzgebirgskreis sind noch Vorkommen der Bekassine z.B. aus den Moorgebieten in den Kammlagen des Westerzgebirges (Kranichsee) bekannt.