Arnika

Arnika – eine streng geschützte Pflanzenart. Eine Mitteilung zum Vorkommen in der Region Annaberg-Buchholz im Mittleren Erzgebirge.

Die Echte Arnika (Arnica montana), auch als Bergwohlverleih bezeichnet, besitzt in einigen Gebieten weitere regionaltypische Namen. So wird sie auch Engelkraut, Tabakblume
oder Wundkraut genannt. Sie gehört zu den typischen Pflanzenarten der montanen Borstgrasrasen und der Berg-Mähwiesen. Obwohl die Arnika sehr selten geworden ist, findet man sie im mittleren Erzgebirge noch von der Tallage bis in die Höhenlagen am Fichtelberg bei Oberwiesenthal. Für den Naturschutz ist die Wildform der Echten Arnika eine wichtige Indikatorpflanze oder Leitart. Sie gilt bspw. als Anzeiger für saure Böden.

Welche naturschutzfachliche Bedeutung hat die Arnika?

Die Echte Arnika ist von gemeinschaftlichem europäischem Interesse, deshalb ist sie im Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelistet. Auch die Lebensraumtypen 6230
(*prioritärer Borstgrasrasen) und 6520 (Berg-Mähwiesen) im Sinne der FFH-Richtlinie, in denen die Echte Arnika gedeiht, sind geschützt. Nach der Roten Liste der gefährdeten Arten Deutschlands befindet sich die Echte Arnika auf Stufe 3 und gilt als „potenziell gefährdet“. Im Bundesland Sachsen besitzt diese Art den Schutzstatus 2, also stark gefährdet.

Welche typischen Charaktereigenschaften weist Arnica montana im mittleren Erzgebirge auf?
Die Echte Arnika ist eine sommergrüne, ausdauernde und krautige Samenpflanze. Die Arnika zählt zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ihre Hauptblütezeit in der Region um
Annaberg-Buchholz ist um den Johannistag (24.06.) herum. Im Fichtelberggebiet bei Oberwiesenthal beginnt die Blütezeit etwas später. Die Arnika kann eine Wuchshöhe von bis
zu 60 Zentimetern erreichen. Der Pflanzenstängel besitzt Drüsenhaare und ist zum Teil verzweigt. Die grundständigen Blätter sind als Blattrosette ausgebildet. Die Blätter sind
hellgrün, ganzrandig und haben keinen Blattstiel. Je nach Vitalität sind die Grundblätter bis zu 15 cm lang und zirka 5 cm breit. Sie sind vier- bis siebennervig, derb und rauhaarig.
Die Stängelblätter sind schmaler und spitzer als die Grundblätter und deren Anordnung ist auffällig gegenständig. Die Blüte ist korbförmig und vorwiegend als Einzelblüte
vorhanden. Eine optimal ausgebildete Einzelblüte kann einen Durchmesser von bis zu 8 cm erreichen.

Die sogenannten Röhrenblüten sind tief gelb (dunkel- oder dottergelb) und die Zungenblüten hell- oder orangegelb gezeichnet. Etwas unterhalb der Einzelblüte befinden sich in den Blattachseln weitere kleine Blüten. (siehe Bild).
Die Gewöhnliche Arnika ist ein Hemikryptophyt. Das Überdauern für den Fortbestand der Art wird über Knospen (Kapseln) gesichert. Diese befinden sich dicht an der
Erdoberfläche. Die reifen Diasporen (Samen) verbreiten sich im sogenannten „Schirmchen-Flug“ durch Windverbreitung oder durch Mahd bzw. Beweidung.

Wodurch sind die Standorte im Erzgebirge gekennzeichnet?

Unsere in den mittleren und oberen Berglagen gelegenen Arnikawiesen befinden sich im Regelfall in peripherer Lage. Diese Standorte sind zumeist von Wald umgeben. Bei den
Arnika-Vorkommen in besagtem Gebiet handelt es sich um frische, wechselfeuchte bis feuchte Standorte mit einem pH-Wert von 4,2 bis 5,2. Die wildwachsende Arnika besitzt dennoch in Verbindung zur Bodenfeuchte eine ausgedehnte ökologische Amplitude. Sie benötigt aber nach Einschätzung des Autors gute Winterniederschläge, die im Optimalfall mit einer längeren Schneedecke verbunden sind. Auch weitere Niederschläge in den Monaten April bis Juni sind förderlich. In diesem Zeitraum sollten keine Bodenfröste mehr auftreten. In den zurückliegenden Jahren konnte bspw. beobachtet werden, dass ein Spätfrost im Juni zum Blühbeginn sich absolut negativ auf die gesamte Population auswirkte. Nach Erfahrungen kommen in einem solchen Jahr maximal 20% der betroffenen Pflanzen zur Blüte. Längere kalte und trockene Tage oder Monate, insbesondere im Zeitraum April bis Juni, wirken sich sehr negativ auf diese Pflanzenart aus. Die Art ist an eine extensive Nutzungsform, verbunden mit einer einschürigen Mahd und Verzicht auf jegliche Düngung gebunden. Deshalb ist diese Pflanzenart fast ausschließlich in Naturschutzgebieten, Flächennaturdenkmalen und ökologisch wertvollen Bereichen, vorwiegend auf waldnahen Wiesen, an Waldrändern sowie an Randbereichen der Moore zu finden. Sie favorisiert saure und magere Grünlandbereiche mit torfiger Humusdecke und ist kalkmeidend. Die Echte Arnika kommt oftmals in kleineren Gruppen oder als Einzelpflanze vor. Im Bereich des FFH-Gebietes „Moore und Mittelgebirgslandschaft bei Elterlein“ sowie im FFH-Gebiet „Fichtelbergwiesen“ und in einigen weiteren Bereichen der genannten Region kommt diese Art auch flächendeckend in größeren Mengen vor.

(siehe nachfolgendes Bild – 20.06.2017)

Wie sieht die typische Artenzusammensetzung in Verbindung mit Arnika aus?

Arnika in der Region des mittleren Erzgebirges ist bevorzugt in Magerwiesen vergesellschaftet. Wir finden sie in Borstgrasrasen, Bärwurz-Rotschwingel-Wiesen oder Goldhaferwiesen. Sie ist Zeigerart dieser Wiesentypen. Weiterhin kommt diese Art in Moorrandgebieten und an Waldrändern vor. Folgende Arten kommen häufig gemeinsam mit der Arnika vor: Gewöhnliches Ruchgras (Anthoxanthum odoratum), Borstgras (Nardus stricta), Wald-Läusekraut (Pedicularis silvatica), Sparrige Binse (Juncus squarrosus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea), Heidekraut (Calluna vulgaris), Heide-Labkraut (Galium pumilum), Blutwurz (Potentilla erecta), Geflecktes Johanniskraut (Hypericum maculatum), Gewöhnliches Kreuzblümchen, (Polygala vulgaris) und bspw. Rot-Schwingel (Festuca rubra).

Wie entstanden die Lebensräume der Arnika in der Region um Annaberg-Buchholz?

In der Natur- oder Urlandschaft gab es nur wenige Vegetationsformen ohne Bewaldung. Dazu zählten bspw. Röhrichte, Uferbereiche der Bach- und Flussläufe sowie
Verlandungszonen von Teichen und Borstgrasrasen in Verbindung mit Moorbereichen. Die Entwicklung der Grünlandformen begann mit den ersten Ansiedlungen von Fischern und
Jägern zunächst an den Bach- oder Flussbereichen. Durch erste Erzfunde im Erzgebirge wurden Unmengen von Holz für den Bergbau benötigt, insbesondere auch in der Region
um Annaberg, Frohnau, Elterlein und Geyer. Die Bergleute und weitere Siedler besaßen für die Selbstversorgung Nutztiere und benötigten Weideflächen. Somit wurde der
Siedlungsraum um ein Vielfaches ausgeweitet. Später mussten aus Platzgründen und Futternöten die Tiere auch auf sogenannte Waldweiden getrieben werden. Die gesamte
Besiedlung und die extensive Waldbeweidung, wodurch ständig die Jungpflanzen (Sukzession) verbissen wurden, führte zu einer absolut erkennbaren Veränderung des Landschaftsbildes in Verbindung mit einer Veränderung der kleinklimatischen Verhältnisse und der Vegetation. In den Mittelgebirgen, wie hier im Erzgebirge, entwickelten sich hierdurch Borstgrasrasen und Bergwiesen. Es entstand das Kulturlandschaftselement Grünland. Die Entwicklung der Wiesentypen steht immer in Verbindung mit der Bewirtschaftungsform. Da zu Beginn der Bewirtschaftung nur Stallmist anfiel, dieser aber zum Ackerbau benötigt wurde, hagerte das Grünland (Wiesenflächen) weiter aus. Es
begann die Entwicklung von nährstoffarmen (oligotrophen) Ökosystemen mit einer für diese Biotope typischen und i.d.R. großen Vielfalt an Pflanzenarten.

Weshalb wurde die Arnika zur gefährdeten Art?

Mit dem Ende der kleinbäuerlichen Nutzung und Gründung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in den 1960er Jahren, verbunden mit einer beginnenden
Intensivierung in der Land- und Forstwirtschaft, sollten die Erträge auf den Wiesenflächen gesteigert werden. Somit begann die mineralische Düngung der Wiesenflächen. Darüber
hinaus erfolgten zahlreiche Aufforstungsmaßnahmen. In der Folge kam es zur Abnahme der biologischen Vielfalt (Biodiversität) auf den ehemals sehr artenreichen Wiesen. Die
Arnika als eine Pflanzenart der extensiv genutzten Wiesen war besonders betroffen. Sie verschwand von den früheren Flächen, übrig blieben nur noch Restbestände auf sogenannten Splitterflächen, die schlecht zu bewirtschaften waren. Nach den 1990er Jahren verschärfte sich die Flächensituation durch Erhöhung der Schnittintervalle und zusätzliche Intensivierung beim Grünland weiter. Deshalb ist die Arnika fast nur noch in den Schutzgebieten in unserer Region anzutreffen.

Schwerwiegend und negativ sind auch folgende Ereignisse:
Nutzungsaufgabe, Eutrophierung sowie – aktuell akut - übermäßiger Schwarzwildbestand.

Schwarzwildschäden auf einer Arnikawiese

Die Aufzählung der Gefährdungsursachen könnte natürlich noch weiter ergänzt werden, denn die Roten Listen der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, die fortge¬setzte Zerstörung von Lebensräumen machen uns unmissverständlich auf den Rückgang sensibler Arten aufmerksam. Der Artenrückgang geschieht oftmals schleichend, still und unbemerkt, aber zum Teil unwiederbringlich. Das biologische Gleichgewicht wird auch von Menschenhand beeinflusst und wir tragen somit auch Verantwortung für die Zukunft. Wenn wir das Artensterben reduzieren und das Ökosystem sichern wollen, kann es nur mit nachhaltiger und ressourcenschonender Landnutzung gelingen. Auch ausreichend große Areale zum Schutz der Flora und Fauna sowie die Vernetzung von Biotopen, gilt es zu erzielen.

Wie können wir die verbliebenen Arnika-Vorkommen weiter erhalten? Wie sehen aktuelle Schutzbemühungen aus?

Um die Vorkommen genau einschätzen zu können, sollten sämtliche regionale Vorkommen erfasst und eine langfristige Beobachtungsreihe (Monitoring) angestrebt werden. Das Naturschutzzentrum Erzgebirge setzt dies im Rahmen von Dauerbeobachtungen auf eigenen Biotoppflegeflächen ansatzweise bereits um. Dadurch lassen sich auch Rückschlüsse
ableiten, ob die Biotoppflegemaßnahmen für die Art förderlich sind. Der Mahdzeitpunkt erstreckt sich je nach Höhenlage, phänologischen Eigenschaften und Nachfolgearten, wie
bspw. Saftlinge (Hygrocyben), von Juli bis September. Auf Grund dieser Nachfolgearten muss deshalb der Mahdzeitpunkt in den mittleren Gebirgslagen von Mitte Juli bis Mitte August realisiert werden. In den höheren Lagen wird der Mahdzeitpunkt nach Einschätzung der Phänologie um Mitte September angestrebt.
Die Biotoppflege sollte mit angepasster Mähtechnik (Doppelmesserschneidwerk) erfolgen. Leichte Bodenverwundungen mit folgenden kleinen Offenlandstellen können sich förderlich auf die Ausbreitung der Art auswirken. Farn- und Blütenpflanzen haben unterschiedliche Eigenschaften, sie sind an bestimmte Boden- und Witterungsbedingungen sowie an den Trophiegrad (Zustandsstufen beim Nährstoffverhalten) gebunden und reagieren auf die angewandte Nutzungsform (Bewirtschaftung). Wer diese Kette einer einzelnen Zielart oder einer Pflanzengesellschaft kennt, kann im Rahmen seiner Technik- und Einsatzmöglichkeiten bspw. die Arnika fördern oder mindern. Mit dem Einsatz eines Doppelmesserschneidwerkes, welches einen sauberen und exakten glatten Schnitt erzeugt, werden bspw. die Pflanzenteile nicht abgeschlagen oder zerschlitzt. Auch diese Mahdtechnologie wirkt sich positiv auf konkurrenzschwache Arten wie bspw. die Echte Arnika oder das Gewöhnliche Kreuzblümchen aus. Eine Wiesenmahd in Naturschutzgebieten oder Flächennaturdenkmalen sollte sich generell an Zielarten orientieren. Somit haben wir im genannten Gebiet auf Flächen mit Arnikavorkommen, die das Naturschutzzentrum Erzgebirge betreut und pflegt, noch gut ausgebildete sowie konstante Arnikaareale (siehe Bilddokumentation).

Die Schutzgebietspflege erfolgt unter Nutzung der Richtlinie „Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen“ (RL AUK/2015). Die Biotoppflegemaßnahmen werden mit angepasster Spezialtechnik und ausgebildeten Personal durchgeführt. Die Mahd sollte auf einer Schutzgebietsfläche von innen nach außen erfolgen, somit können zahlreiche Tiergruppen besser bewahrt werden. Dank des Landesvereines Sächsischer Heimatschutz und des Erzgebirgskreises, die zahlreiche Flächen für Naturschutzzwecke aufkauften und unter Schutz stellten, sowie zahlreicher privater Grundstückseigentümer, die einen entsprechenden Nutzungsvertrag mit dem Naturschutzzentrum Erzgebirge oder dem hier ansässigen Landschaftspflegeverband abgeschlossen haben, konnte diese Art zielgenau gepflegt und dadurch bis heute erfolgreich erhalten werden. Auch einzelne Privateigentümer tragen mit ihrer Bewirtschaftung zum Erhalt der Art bei. Die individuenstärksten Arnikavorkommen befinden sich auf landkreiseigenen Flächen sowie auf Flächen, die sich im Besitz des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz (mit Sitz in Dresden) befinden. Auf einigen geschützten Wiesen im genannten Gebiet sind dichte Teppiche mit Blattrosetten der Arnika zu finden.

Arnika - Rosetten

Arnika, eine der bekanntesten Heilpflanzen

Schon lange sind die medizinischen Wirkungen der Arnika bekannt. Deshalb gab es seit längerem Bemühungen Arnika für medizinische Zwecke zu nutzen. Durch Forschung und gärtnerische Bemühungen gelang es die Arnika zu kultivieren, wobei es sich in der Regel um die Nordamerikanische Wiesenarnika (Arnica chamissonis) handelt. Damit ist es möglich, auch größere Mengen für die medizinische und homöopathische Behandlung anzubauen. Die kultivierte Form findet vielfache Verwendung, wodurch die Wildform geschont werden kann. Die Pflanze enthält eine Vielfalt an ätherischen Ölen und Flavonoiden (vitaminähnliche Antioxidantien) und Helenalin. Diese Pflanzeninhaltsstoffe wirken entzündungshemmend, antiseptisch und wundheilungsfördernd. In zahlreichen Büchern ist die Heilwirkung der Arnika beschrieben. Die Tinktur oder Salbe wird meist bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen angewendet.

Fazit: Echte Arnika (Arnica montana) - eine der bekanntesten Heilpflanzen in Deutschland. Die Echte Arnika wächst auf nährstoffarmen, sauren Böden und ist kalkmeidend, bevorzugt Magerwiesen, Borstgrasrasen, Bärwurz-Rotschwingel-Wiesen oder Goldhaferwiesen und ist Zeigerart dieser Wiesentypen. Weiterhin kommt diese geschützte Art in Moorrandgebieten und an Waldrändern vor. Es handelt sich um eine ausdauernde, mehrjährige Staudenpflanze, die zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) gehört. Auf Grund der Artansprüche sollte die Biotoppflege mit angepasster Technik, mit qualifizierten Personal und einem guten Management erfolgen.

Kleiner Fuchs (Nymphalis urticae), hier nektarsaugend auf Echter Arnika

Bild und Text Jürgen Teucher - Naturschutzzentrum Erzgebirge

Literatur:

ROTHMALER, W. (2002): Exkursionsflora von Deutschland. Band 2, Gefäßpflanzen: Grundband. Jäger, E.J. & Werner, K. (Hrsg.). 19. Auflage. Spektrum Verlag.

ROTHMALER, W. (2005): Exkursionsflora von Deutschland. Band 3, Gefäßpflanzen: Atlasband. Hrsg.: Jäger, E.J. & Werner, K. (Hrsg.). 12. Auflage. Spektrum Verlag.

ROTHMALER, W. (2005): Exkursionsflora von Deutschland. Band 4, Gefäßpflanzen: kritischer Band. Hrsg.: Jäger, E.J. & Werner, K. (Hrsg.). 10. Auflage. Spektrum Verlag.

HARDTKE, H.-J.; IHL, A.: Atlas der Farn- und Samenpflanzen Sachsens. - In: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.)

HARDTKE, H.-J., PAUL, M. (2009): Die Arnika (Arnica montana) in Sachsen, in: Erkennen- Bewahren- Gestalten, Natur – und Heimatschutz in Sachsen, S.68-72, Landesverein Sächsischer Heimatschutz (Herausgeber)

Rote Liste und Artenliste Sachsens - Farn- und Samenpflanzen
Herausgeber: Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie 2013