Mykologie und Tagfaltermonitoring


Gedanken zur Pilzausstellung anlässlich des Sauwaldfestes 2009 von Wolfgang Dietrich

Wir danken Wolfgang Dietrich für die Bereitstellung der Informationen, sein langjähriges Naturschutzengagement und die freundschaftliche Zusammenarbeit mit unserer Einrichtung.

Am 21. Juni 2009 fand auf dem Gelände des Naturschutzzentrums Erzgebirge fast schon traditionsgemäß eine Pilzausstellung statt. Der Termin war für unsere Gebirgslage zeitig. Glücklicherweise zeigte sich "Petrus" im Vorfeld recht gnädig, so dass wir mit vereinten Kräften mindestens 75 Pilzarten auslegen konnten. Wir, das sind die beiden Ausstellungsleiter und Pilzberater Erhard Krause aus Elterlein und Wolfgang Dietrich aus Annaberg-Buchholz, unterstützt durch fleißige Helfer wie den beiden Pilzberatern F. Endt aus Scheibenberg und H. Bley aus Crottendorf sowie Herrn M. Mischau aus Grumbach und Familie Georgi aus Schlettau. All diesen Pilzfreunden sei an dieser Stelle herzlichst für die Unterstützung gedankt.
Das Interesse zahlreicher Erzgebirger an der Pilzkunde ist nach wie vor groß. Die Tische mit den ausgestellten Pilzen waren zeitweise dicht umlagert. Die Zahl der Besucher schätzten wir auf ca. 1000. Da das Sauwaldfest diesmal im Frühsommer stattfand, war es uns möglich den Braunen Fliegenpilz (Amanita regalis) in zahlreichen Exemplaren unterschiedlicher Entwicklungsstadien zu zeigen. Eigentümlicherweise ist dieser Giftpilz einigen Pilzsammlern nicht bekannt, so dass fast jährlich Vergiftungen auftreten. Im Sommer 2009 gab es mindestens drei Vergiftungsfälle mit 8 vergifteten Personen. Alle mussten im Krankenhaus stationär behandelt werden. Der Braune Fliegenpilz hat bis auf die braune Hutfarbe die gleichen Merkmale wie der Rote Fliegenpilz (Amanita muscaria). Wer die typischen Merkmale des Braunen Fliegenpilzes wie den deutlich geriefte Hutrand, die ungeriefte Manschette, die Flockengürtel an der Stielbasis und das "Nichtröten" des Fleisches nicht kennt und beachtet, kann ihn durchaus mit dem Grauen Wulstling (Amanita excelsa) oder Perlpilz (Amanita rubescens) verwechseln. Bei günstiger Witterung erscheint der Braune Fliegenpilz durchschnittlich früher als der Rote Fliegenpilz. In den Monaten Juni bis August kann er als Massenpilz in unseren Fichtenwäldern auftreten. Häufig wächst er auch auf von Fichtenbeständen begrenzten Bergwiesen. Der Rote Fliegenpilz tritt bei uns im Gebirge meist erst ab September als Massenpilz in Erscheinung. Im Herbst habe ich den Braunen Fliegenpilz bisher immer in wesentlicher geringer Stückzahl beobachtet.
Zu den schmackhaften Speisepilzen, die in der Ausstellung zu sehen waren, gehören u. a.: Perlpilz (Amanita rubescens), Verfärbender Scheidenstreifling (Amanita umbrinolutea), Fleischroter Speise-Täubling (Russula vesca), Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis), Marone (Xerocomus badius), Ziegenlippe (Xerocomus subtomentosus), Rotfuß-Röhrling (Xerocomus chrysenteron), Steinpilz (Boletus edulis), Sandpilz (Suillus variegatus), Birkenpilze (Leccinum scabrum und Leccinum oxydabile) sowie Flockenstieliger Hexenpilz (Boletus erythropus).
Herr Endt aus Crottendorf brachte uns in seinem gut gefüllten großen Pilzkorb einen für unsere Region seltenen Pilz mit, den stark giftigen Ziegelroten Risspilz (Inocybe patouillardii). Diese Art liebt kalkhaltige Böden. In unserer Umgebung sind die Böden in der Regel kalkfrei. In Ortschaften gibt es aber nicht selten Stellen mit kalkhaltigem Schutt oder Mauern, die mit Kalkmörtel verfugt wurden. Stehen in der Nähe Laubbäume, z. B. Buchen und Linden, kann die Art, wenn auch selten, durchaus im Erzgebirge Fruchtkörper bilden. Herr Langer aus Annaberg-Buchholz bereicherte die Pilzausstellung durch einen "Exoten", den Ansehnlichen Samthäubchen (Conocybe intrusa). Dieser recht große, ungenießbare Pilz, der aus den Subtropen nach Europa eingeschleppt wurde, wuchs in seinem Garten.
Von den zahlreichen bisher noch nicht erwähnten zur Ausstellung ausgelegten Pilzen seien an dieser Stelle noch einige Arten genannt: Gold-Röhrling (Suillus grevillei), Pfefferröhrling (Boletus piperatus), Mohrenkopf (Lactarius lignyotus), Apfel-Täubling (Russula paludosa), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), Keulenfuß-Trichterling (Clitocybe clavipes), Nelken-Schwindling (Marasmius oreades), Stachelige Hirschtrüffel (Elaphomyces muricatus), Schopftintling (Coprinus comatus), Flaschenbovist (Lycoperdon perlatum), Beutel-Stäubling (Calvatia exipuliformis) usw.
Im Jahre 2010 findet kein Sauwaldfest statt. Dafür ist eine Pilzausstellung in Arnsfeld im Gelände des Naturfreundehauses im Rahmen "625 Jahre Ersterwähnung von Arnsfeld" am 7. August geplant. Alle mykologisch Interessierten sind dazu herzlich eingeladen. Wir würden uns wieder freuen, wenn Besucher Pilze zur Ausstellung beisteuern.

Wolfgang Dietrich

Der komplette Naturschutzreport zu den Themen "Mykologie" und "Tagfalter-Monitoring" steht auch als Download hier zur Verfügung.

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Arten

2006

2007

2008

2009

Pieris brassicae Großer Kohlweißling

60

9

11

25

Aglais urticae Kleiner Fuchs

62

47

5

22

Inachis io Tagpfauenauge

52

17

6

64

Aph. hyperantus Schornsteinfeger

26

60

172

50

Vanessa cardui Distelfalter

23

0

1

65

Vanessa atalanta Admiral

9

4

2

11

Maniola jurtina Großes Ochsenauge

3

6

5

17

Vier Jahre Schmetterlingsmonitoring auf dem Pöhlberg von Wolfgang Dietrich

Seit 2006 beteilige ich mich ehrenamtlich am Tagfalter-Monitoring in Deutschland. Die Untersuchungseinheiten, die einen Korridor von 50 m Länge, sowie je 5 m Breite und Höhe aufweisen sollen, werden als Abschnitte bezeichnet. Die Zahl dieser Abschnitte kann sich jeder Teilnehmer am Monitoring selbst aussuchen. Für das Bestimmen und Zählen von Tagfaltern in einem Abschnitt sind ca. 5 Minuten vorgesehen. Die Gesamtheit der Abschnitte bildet eine Transektstrecke. Da man auch andere Schmetterlingsarten zählen und melden kann, habe ich für die Überschrift den Begriff Schmetterlings-Monitoring ausgewählt. Von April bis September sollte pro Woche jeweils zwischen 10 und 17 Uhr ein Monitoring stattfinden. Bei entsprechend günstiger Wetterlage kann man schon im März beginnen bzw. auch den Oktober noch nutzen. Da mein Transekt über 700 m NN liegt, konnte ich bisher witterungsbedingt mit dem Monitoring frühestens Anfang April beginnen. Im Jahre 2008 zeigte sich das Wetter im Oktober zeitweise noch sonnig und warm, so dass ich bis Ende des Monats Monitoring durchführen konnte. Ideal sind Sonnenschein und Windstille. Aber auch bei bewölktem Wetter kann gezählt werden, wenn die Temperatur mindestens 14 Grad Celsius beträgt und der Wind nicht zu stark weht. Neun meiner 12 Monitoring-Abschnitte befinden sich am Rand des Flächennaturdenkmals "Pöhlbergalm", die restlichen drei am Rande einer mageren Rinderweide, auf verbuschtem mageren Grünland und in einem stellenweise lichten Buchen-Fichten-Bestand. Die Zählergebnisse werden ergänzt durch Angaben wie Datum, Uhrzeit, Bewölkung (%), Wind und Temperatur und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle/Saale zur Auswertung übermittelt. So beteiligten sich 2008 in Deutschland 295 Zähler. In den 339 Transekten mit insgesamt 2926 Abschnitten wurden im Jahre 2008 insgesamt 154438 Beobachtungen von Tagfaltern gezählt (Kühn et al. 2009). Mit diesen vielen Daten lassen sich über einen längeren Zeitraum wichtige Kenntnisse gewinnen, so über Populationsschwankungen, Zusammenhänge zwischen Witterung und Flugzeiten, Veränderungen des Artenspektrums, Klimaschwankungen, falsche Bewirtschaftung geschützter Biotope usw.
Im Gebiet um Annaberg-Buchholz gibt es noch einen weiteren Monitoring-Teilnehmer. Herr Jürgen Teucher aus Arnsfeld hat seine Transektstrecke bei Arnsfeld im Rauschenbachtal. Über seine Ergebnisse hat er in der Zeitschrift des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz berichtet (Teucher 2009).
Im Folgenden stelle ich einen Teil meiner Ergebnisse vor. Bisher registrierte ich von 2006 2009 vierzig Tagfalterarten sowie 47 Arten aus anderen Schmetterlingsgruppen, u. a. 22 Spanner-, 9 Eulen- und vier Widderchen-Arten. Dabei wurden nur die Schmetterlinge einbezogen, die sich während der ca. 5 minütigen Begehung in dem entsprechenden Transekt-Abschnitt aufhielten. Individuen, die zur gleichen Zeit außerhalb dieses Korridors beobachtet worden sind, wurden in diese Erfassung nicht mit einbezogen. Schwerpunkt des Monitorings liegt auf der qualitativen und quantitativen Erfassung der Tagfalterarten. Insgesamt zählte ich in den vier Jahren 2278 Beobachtungen von Tagfaltern:

2006: 834 Beobachtungen, durchschnittlich 32 pro Begehung,
2007: 511 Beobachtungen, durchschnittlich 22 pro Begehung,
2008: 409 Beobachtungen, durchschnittlich 17 pro Begehung und
2009: 524 Beobachtungen, durchschnittlich 23 pro Begehung.

Die Zahl pro Begehung ist aussagekräftiger, weil die Anzahl der Begehungen nicht in jedem Jahr gleich war. Sie lag zwischen 23 und 26.
Am häufigsten zählte ich den Schornsteinfeger (Aphanotpus hyperantus) mit 308 Beobachtungen, den Hecken-Weißling sowie Kleinen Kohlweißling (Pieris napi/rapae) mit 501 Beobachtungen und den Kleinen Fuchs (Aglais urticae) mit 156 Beobachtungen. Die beiden Weißlings-Arten Pieris napi und Pieris rapae lassen sich in der Natur beim Fliegen und aus zu großer Entfernung nicht immer eindeutig auseinander halten. Deshalb habe ich hier beide Arten zahlenmäßig zusammengefasst. Nach den bisherigen Zahlen ist das quantitative Verhältnis von Pieris rapae zu Pieris napi 3 zu 2. Die Häufigkeit der meisten Arten schwankt von Jahr zu Jahr. Dies wird in der folgenden Tabelle an sieben ausgewählten Arten verdeutlicht. Die Zahlen in der Tabelle beziehen sich auf Beobachtungen der betreffenden Arten. Diese Zahl muss nicht mit der Zahl der beobachteten Individuen übereinstimmen. Ein und dasselbe Individuum kann bei einer Begehung in mehr als einem Abschnitt erfasst werden oder bei einer der folgender Begehungen erneut gezählt werden. Je größer die Individuendichte einer Art in einem Biotop ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit in der relativ kurzen Erfassungszeit beim Monitoring dieser Art im Transektabschnitt zu begegnen.

Wolfgang Dietrich

Der Distelfalter (Vanessa cardui) und der Admiral (Vanessa atalanta) gehören zu den Wanderfaltern. Im Jahre 2009 kam es zu einen Masseneinflug von Vanessa cardui in Mitteleuropa. In den Jahren 2007 und 2008 wanderten dagegen vergleichsweise wenige Falter von Vanessa cardui bei uns ein. Im Jahre 2008 flog der Wander-Gelbling (Colias crocea), auch Postillon genannt, in größeren Menge in Sachsen ein (Reinhardt 2009). Einzelne Falter dieser Art registriert ich im September/Oktober auch in meinem Transekt (Dietrich 2009).
Im Transekt bisher selten beobachtet wurden u. a.: Braunscheckiger Perlmutterfalter (Boloria selene), Aurorafalter (Anthocharis cardamines), Baumweißling (Aporia crataegi) und Rotklee-Bläuling (Polyommatus semiargus). Durch das Monitoring lassen sich Angaben zur Phänologie und Generationszahl ableiten. So flogen im Jahre 2007 viele Tagfalterarten jahreszeitlich gesehen sehr früh, z. B. beobachtet ich den Kleinen Feuerfalter (Lycaena phlaeas) ab dem 22. April und den Rundaugen-Mohrenfalter (Erebia medusa) ab dem 5. Mai. Vom Mauerfuchs (Lasiommata megera) konnte ich im Jahre 2009 im Herbst eine dritte Generation registrieren. Nur in Jahren mit ungerader Jahreszahl fliegt auf dem Pöhlberg der Weißbindige Mohrenfalter (Erebia ligea). Einzelne Exemplare von Erebia ligea habe ich 2007 und 2009 auch im Transekt gezählt. Die kleine Population am Pöhlberg befindet sich an der nördlichen Grenze des Verbreitungsareals im Mittleren Erzgebirge. Zwischen dem Fichtelbergebiet und Bärenstein fliegt die Gebirgsart jährlich, in Jahren mit ungerader Jahreszahl jedoch wesentlich häufiger.
Von den im Transekt erfassten Schmetterlingen, die zu anderen taxonomischen Gruppen gehören, sollen an dieser Stelle einige häufiger und seltener vorkommende Arten aufgezählt werden. Zu den häufiger Arten zählen u. a. Schwarzspanner (Odezia atrata), Pantherspanner (Pseudopanthera macularia), Weißer Schwarzaderspanner (Siona lineata), Klee-Gitterspanner (Chiasmia clathrata), Braunbinden-Wellenstriemenspanner (Scotopteryx chenopodiata), Ockergelber Blattspanner (Camptogramma bilineata), Gamma-Eule (Autographa gamma), Braune Tageule (Euclidia glyphica) und Scheck-Tageule (Callistege mi). Seltener wurde z. B. folgende Arten beobachtet: Klappertopf-Kapselspanner (Perizoma albulata), Wegerichbär (Parasemia plantaginis), Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum), Labkrautschwärmer (Hyles gallii), Großer Hopfen-Wurzelbohrer (Hepialus humuli), Seideneulchen (Rivula sericealis) und Wiesen-Sackträger (Epichnopterix plumella).
Seit dem Jahre 2002 wird die"Pöhlbergalm" mit Schafen beweidet. Da die ca. 50 Schafe jeweils einige Tage innerhalb des Weidezaunes auf einem Teilstück der Pöhlbergalm verbleiben, kam es in den letzten Jahren zu einer starken Eutrophierung. Hinzu kommt, dass die Schafe die Grünflächen selektiv abweiden. Dadurch hat sich die einst typische Bergwiese stark verändert, so dass sich auf der knapp zwei Hektar großen Fläche Hochstaudenfluren mit Goldkälberkropf (Chaerophyllum aureum) und Rainfarn (Tanacetum vulgare) mehr und mehr ausbreiten. Da vor dieser Bewirtschaftungsform kein Monitoring durchgeführt wurde, lassen sich Veränderungen des Artenspektrums und der Häufigkeit von Tagfaltern, die im Zusammenhang mit der Standweide stehen, vorerst schwer belegen. Da Tagfalter wie die meisten Insekten an das Vorkommen bestimmter Pflanzen z. B. als Raupennahrung und Nektarquellen gebunden sind und typische Pflanzenarten der mageren Bergwiesen durch den Standweidebetrieb im Flächennaturdenkmal seltener geworden oder verschwunden sind, ist von einer solchen Veränderung auszugehen. Nach der Beweidung bietet die einst im Juni/Juli bunt blühende Pöhlbergalm den zahlreichen Touristen und Einheimischen im Sommer ein eher düsteres Bild. Die Bewirtschaftungsform und Pflege dieses zum FFH-Gebiet "Mittelerzgebirgische Basaltberge" gehörenden Flächennaturdenkmals sollte im Sinne des Erhaltes dieser Bergwiese überdacht werden.

Wolfgang Dietrich





Literatur:

Dietrich, W. (2009): Beobachtung des Postillons Colias crocea (Fourcroy, 1785) im Erzgbeirge [Lep-Pie].
Mitteilungen Sächsischer Entomologen 85: 8-12.
Kühn, E., Musche, M., Harpke, A., Feldmann, R. & Hirneisen, N. (2009): Tagfalter- Monitoring Deutschland.
Jahresbericht 2008, Neuigkeiten 2009.
Reinhardt, (2009): Beobachtungen zum Postillon Colias crocea (Fourcroy, 1785) in Sachsen im Einflugjahr
2008 mit einer Analyse der letzten fünf Jahrzehnte [Lep-Pie]. Mitteilungen Sächsischer Entomologen 85: 28-35.
Teucher, J. (2009): Tagfalterbeobachtung im Rauschenbachtal. Erkennen-Bewahren-Gestalten Natur- und
Heimatschutz für Sachsen: 60-67.




Art

2006

2007

2008

2009 // Summe

Cart palae

0

1

1

2 // 4

Thym lin

13

3

3

6 // 25

Thym syl

27

34

5

8 // 74

Thym lin/syl
Summe

100
140

23
60

20
28

11 // 154
25

Ochl syl

15

27

10

2 // 54

Pap mach

2

0

1

1 // 4

Anth card

0

0

0

1 // 1

Apo crat

3

0

0

0 // 3

Pier bras

60

9

11

25 // 105

Pie rap

76

13

32

40 // 161

Pie nap

74

13

10

29 // 126

Pie rap/nap
Summe

100
250

46
72

11
53

32 // 189
126 // 501 (250)

Col hya

5

0

2

4 // 11

Col croc

0

0

3

0 // 3

Gon rham

3

1

4

4 // 12

Lyc phl

8

13

5

3 // 29

Lyc virg

12

9

4

5 // 30

Cel arg

0

2

0

1 // 3

Poly semi

14

1

0

0 // 2

Poly ama

9

5

1

0 // 15

Pol ica

12

1

4

6 // 23

Arg agla

3

8

1

1 // 13

Iss lath

6

7

0

1 // 14

Bren ino

0

4

0

0 // 4

Bol sele

1

0

0

0 // 1

Van ata

9

4

2

11 // 26

Van card

23

0

1

65 // 89

Ina io

52

17

6

64 // 139

Agl urti

82

47

5

22 // 156

Poly c-alb

8

0

1

4 // 13

Ara lev

8

19

4

24 // 55

Nym ant

1

1

0

0 // 2

Meli ath

8

7

1

0 // 16

Par aeg

0

2

0

0 // 2

Las meg

22

30

26

29 // 104

Las mae

2

0

2

1 // 5

Coen pamp

24

65

31

19 // 139

Aph hyp

26

60

172

50 // 308

Man jurt

3

6

5

17 // 31

Ere lig

0

1

0

3 // 4

Ere med

11

16

18

25 // 70

Mel gala

25

16

3

11 // 55

Summe

834

511

409

524 // 2278

Prozent

36,6

22,4

17,9

Beo. pro Begehung

32

22

17

23


Tagfalter im Mittelerzgebirge 2013 von Wolfgang Dietrich

In diesem Kurzbericht teile ich einige Beobachtungen von Tagfaltern aus Annaberg-Buchholz und Umgebung aus dem Jahr 2013 mit. Wer hätte gedacht, dass nach dem nassen und kalten Frühjahr und Frühsommer in den Sommermonaten Arten wie der Mauerfuchs (Lasiommata megera), die Goldene Acht (Colias hyale), der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas) und der Gemeine Bläuling (Polyommatus icarus) so zahlreich fliegen, wie ich es hier in den letzten 10 Jahren noch nie beobachten konnte.

Im Mittleren Erzgebirge erfasste ich im Jahre 2013 insgesamt 48 Tagfalterarten. In meinem Transekt des Tagfaltermonitorings am Pöhlberg konnte ich von April bis September bei 20 Begehungen 32 Tagfalterarten nachweisen. Die meisten Beobachtungen betreffen die folgenden Arten: Schornsteinfeger (Aphantopus hyperantus 105), Großes Ochsenauge (Maniola jurtina 70), Kleines Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus 46), Grünader-Weißling (Pieris napi 43) und Mauerfuchs (Lasiommata megera 34). Dagegen beobachtete ich in diesem Transekt so scheinbar häufige Arten wie den Kleinen Fuchs (Aglais urticae 17) und das Tagpfauenauge (Inachis io 11) wesentlich seltener. In Klammern steht jeweils die Zahl der Beobachtungen im Transekt für das gesamte Jahr. Auf der Internetseite des Naturschutzzentrums Erzgebirge findet sich unter der Rubrik Naturschutzinformationen ein Bericht über meine Ergebnisse des Schmetterlingsmonitorings auf dem Pöhlberg der Jahre 2006 bis 2009.

Im Wohngebiet am Barbara-Uthmann-Ring traute ich meinen Augen nicht, als ein abgeflogenes Individuum eines Weißbindigen Mohrenfalters (Erebia ligea) an einem Wohnblock vorbei flog. Am Beobachtungstag, dem 16. August, wurde dieser Falter, der auch unter dem deutschen Namen Milchfleck bekannt ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den mäßigen Südwind aus seinem eigentlichen, weiter südlich in Richtung Kammregion liegenden Lebensraum vertriftet. Ich konnte im Wohngebiet und den unmittelbar angrenzenden Bereichen, wie z. B. dem Gebiet um die Stechteiche und dem Friedhofsgelände bisher 27 Arten beobachten. Der Weißbindige Mohrenfalter ist dieses Jahr neu hinzugekommen. Tagfalter sind im Wohngebiet meist auf Nektarsuche. Reproduktionshabitate konnte ich bisher nur vom Landkärtchen (Araschnia levana) und Großen Kohl-Weißling (Pieris brassica) auf dem Friedhofsgelände feststellen. Im Rahmen der Umgestaltung des Friedhofes sind diese Habitate inzwischen auch verschwunden. Leider finden Tagfalter wie andere Insekten im Wohngebiet, mit Ausnahme von Hochstaudenfluren der Randbereiche und Zierpflanzenbeständen, meist nur wenige Pflanzen zum Nektarsaugen vor. Sobald auf den Rasenflächen Pflanzen wie die des Gemeinen Löwenzahns (Taraxacum officinale), Herbst-Löwenzahns (Leontodon autumnalis), Scharfen Hahnenfußes (Ranunculus acris), der Vogel-Wicke (Vicia cracca) und Zaun-Wicke (Vicia sepium) blühen, werden sie rigoros abgemäht und beim Einsatz der lebensfeindlichen Motorsensen samt der Tierwelt regelrecht zerstückelt. Das sich jährlich in viel zu kurzen Zeitabschnitten wiederholende Drama wird außerdem von enormer Lärm- und Abgasbelastung für Tier und Mensch begleitet. Kein Wunder, dass in vielen Siedlungsbereichen selbst an sonnigen Tagen nur noch wenige Tagfalter fliegen. Meine Hoffnung, dass diesem ökologischen Wahnsinn ein Ende gesetzt wird, ist allerdings sehr gering. Das kleine bisschen Natur muss selbst hier immer mehr wirtschaftlichen Interessen weichen.

Im August flogen Wander-Gelblinge (Colias crocea) bis in unsere Region. So sah ich am 16. und 22. August in einem Rotklee-Bestand am Ortsausgang von Frohnau in Richtung Dörfel je zwei männliche Falter, am 22. August zusammen mit der Mitarbeiterin des Naturparkes "Erzgebirge/Vogtland" Frau Kristin Eberhardt. Am Südhang des Pöhlberges entdeckte ich am 17. August zwei männliche und einen weiblichen Wander-Gelbling. In einem recht kurzen Zeitraum flogen im Sommer zahlreiche Distelfalter (Vanessa cardui). Am 05. Juni beobachtete ich am Pöhlberg in den Nachmittagstunden zwei einzelne Distelfalter zügig westwärst wandernd und reichlich eine Woche später am 13. Juni ebenda bereits stationäre Falter in einem blühenden Rapsfeld beim Nektarsaugen. Die meisten Individuen, mindestens 30, registrierte ich am 16. August in dem bereits erwähnten Rotklee-Bestand bei Frohnau, sie saugten Nektar. Meine letzte Beobachtung eines Distelfalters erfolgte am 22. August bei Frohnau. Während zumindest einzelne Exemplare des Admirals (Vanessa atalanta) selbst hier im Erzgebirge überwintern, wurde dies beim Distelfalter in ganz Deutschland wohl noch nicht beobachtet. Jens Nixdorf entdeckte am 14. April in Scharfenstein und Falk Gärtner (Mildenau) am 24. April bei Fichtenbach je einen unbeschädigten Admiral. Am 14.9. konnte ich mehrere einzelne Admirale süd- bis südostwärts fliegend am Pöhlberg beobachten und am 22.10. den letzten Admiral am Pöhlberg im Gelände des Tierparkes. Dieser Falter wird vermutlich auch versuchen zu überwintern. Wander-Gelbling, Admiral und Distelfalter gehören zu den Wanderfaltern. Sie wandern in jährlich schwankender Zahl aus wärmeren Regionen Europas und Nordafrikas nordwärts und Falter der neuen Generationen im Sommer/Herbst wieder südwärts. So gelangten im Jahre 2012 einige Wander-Gelblinge bis nach Südschweden. Zumindest ein Teil der Admirale, die in unserer Region schlüpfen, wandern nach neueren Erkenntnissen in ihre Heimat nach Südwestdeutschland und Ostfrankreich zurück.

Westlich von Satzung, nahe dem Naturschutzgebiet "Schwarze Heide-Kriegswiese" verfolgte ich mit Falk Gärtner zwei Schwalbenschwänze (Papilio machaon) bei der Eiablage an Bärwurz (Meum athamanticum). Die Falter suchten im Tiefflug nach geeigneten Pflanzen, landeten, krümmten den Hinterleib zu einem der feinen Blattzipfel der Bärwurzpflanzen und hefteten je ein Ei daran fest. Das Anfliegen und die Eiablage dauerten nur wenige Sekunden.

Im Herbst entdeckte ich bei Annaberg-Buchholz unterhalb der Riesenburg zum ersten Mal eine Raupe des C-Falters (Polygonia c-album). Sie fraß an einem Blatt der Großen Brennnesssel (Urtica dioica) am Rande eines Feldgehölzes. Am gleichen Tag sah ich dort auch einen C-Falter fliegen. Da die Brennnessel auch für andere Tagfalter wie z. B. dem Kleinen Fuchs, Admiral und Landkärtchen Futterpflanze für die Raupen ist, sollten möglichst viele Bestände von der Mahd verschont werden. Aus der Vielzahl weiterer Beobachtungen sollen die folgenden zwei nicht unerwähnt bleiben. Am 25. Juli flog ein Kleiner Schillerfalter (Apatura ilia) vor dem Schilf-Klärbecken am Naturschutzzentrum mehrfach von Schwarz-Erlen auf die asphaltierte Straße. Im Schindelbachtal bei Oberwiesenthal gelang mir zusammen mit Frau Kristin Eberhardt am 14. August der Nachweis von zwei frischen, unbeschädigten Individuen des Dunkelbraunen Bläulings (Polyommatus agestis). Da ich bereits im Juni 2008 in diesem Tälchen drei frische Falter dieser Art beobachtete, kann davon ausgegangen werden, dass sie dort bodenständig ist. Das nächste Jahr wird mit Sicherheit wieder spannend, und ich freue mich schon heute darauf den Lesern der Info-Brief des Naturschutzzentrums Erzgebirge einige dieser Neuigkeiten mitzuteilen.


Tagfalterbericht als PDF-Dokument zum Download


Von links nach rechts:

Von links nach rechts:

Landkärtchen (Araschnia levana) 2.Gen. Kleiner Fuchs (Nymphalis urticae) Tagpfauenauge (Nymphalis io)

Von links nach rechts:

Von links nach rechts:

Großer Perlmutterfalter (Argynnis aglaja) Kaisermantel (Argynnis paphia)


Andere Arten wie bspw. das Tagpfauenauge (Nymphalis io) sind im gesamten Transektgebiet und überall im Offenland, Wohngebieten oder Gärten zu finden und besitzen ein außerordentlich breit gefächertes Nahrungsspektrum. Auch der Schornsteinfeger (Aphantopus hyperanthus), wie die Grafik zeigt, besiedelt ein breites Spektrum verschiedenster Biotope. Es handelt sich um eine mesophile Art des Offenlandes. Die Lebensraumausstattung und die Pflanzengemeinschaft sind also wichtige Komponenten im Schmetterlingsleben. Beim Betrachten der Transekttabelle stellt man schnell fest, dass sich der Schornsteinfeger in den zurückliegenden Untersuchungsjahren mit den häufigsten Individuenzahlen zeigt. Es handelt sich hier um eine Art die auch mit mäßigen Windverhältnissen gut zu Recht kommt. Obwohl der Schornsteinfeger nur eine sehr kurze Flugzeit in der Regel von Juli bis August besitzt, hat diese Art bedeutend mehr Nachweise im Transekt als bspw. das fast ganzjährig fliegende Tagpfauenauge.
Eine weitere Besonderheit ist das Auftreten vom Weißbindigen Mohrenfalter, (Erebia ligea) auch im Volksmund "Milchfleck" genannt. Der Milchfleck befindet sich auf der Hinterflügel-Unterseite und ist ein sehr deutliches Merkmal des Weißbindigen Mohrenfalters. Wer den Erfassungszeitraum genau betrachtet wird feststellen, dass der Weißbindige Mohrenfalter (Erebia ligea), wie in der Literatur beschrieben, tatsächlich nur in den ungeraden Jahren, beobachtet und erfasst werden konnte.

Literatur
Thomas Ruckstuhl (1994):
Schmetterlinge und Raupen - Bestimmen Kennenlernen Schützen

Hans-Josef Weidemann (1988):
Tagfalter, Band 2
Biologie Ökologie Biotopschutz

Josef Settele, Roland Steiner, Rolf Reinhardt, Reinnart Feldmann (2005):
Schmetterlinge Die Tagfalter Deutschlands

Günter ebert (1991):
Die Schmetterlinge Baden-Württembergs, Band 2, Tagfalter II

Erläuterung
NSG Naturschutzgebiet
FFH Fauna-Flora-Habitat
Transekt Erfassungsstrecke von Meß- bzw. Beobachtungspunkten
LRT Lebensraumtyp
Monitoring systematische Erfassung, Beobachtung, Bestandsaufnahme oder Überwachung von Arten

Jürgen Teucher



Das Gesamtergebnis des Transekts von 2005 bis 2008 in Tabellenform kann hier als pdf-Datei angezeigt werden.
Der Bericht zur Tagfalterbeobachtung im Rauschenbachtal liegt ebenfalls als pdf-Datei hier vor.

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